Kritische Fragen im Interview: So behalten Sie die Kontrolle

Kritische Fragen im Interview: So behalten Sie die Kontrolle

Eigentlich lief ihr Interview bis jetzt ganz gut. Und dann ist der Moment da: Eine Frage, die trotz aller Vorbereitung nicht im Q+A steht. Ein Journalist, der die Antwort nicht versteht oder verstehen will. Eine Journalistin, die immer wieder unterbricht. Und bevor sie auch nur antworten, rast der Puls, zieht sich der Magen zusammen, bricht der Schweiß aus, oder das Blut schießt in den Kopf.  

Störfeuer aus der Urzeit

Sie möchten jetzt am liebsten fliehen, sich totstellen oder den unangenehmen Fragensteller aus dem Weg räumen. Flight, freezefight. Drei Reflexe, die seit tausenden von Jahren tief in unserem Gehirn einprogrammiert sind. Leider sind sie alle im kritischen Interview unbrauchbar und führen dazu, dass die Kontrolle über das Gespräch verloren geht. Das gilt vor allem für TV- und Radio-Interviews, ganz besonders, wenn sie live übertragen werden. Die gute Nachricht: Sie sind diesen Reflexen nicht hilflos ausgeliefert 

Energie umwandeln

Egal, welche Reaktion auftritt – kämpfen sie nicht dagegen an. Atmen sie ruhig, nehmen sie sich bewusst eine Pause von einer oder zwei SekundenSammeln sie sich kurz (das kann man üben). Und dann genießen sie, was kommt. Denn jetzt können sie zeigen, wofür sie stehen. Leicht gesagt? Ja – aber mit der richtigen Vorbereitung kommen sie aus der Defensive und positionieren sich aktiv.  

Kritisches Interview als Chance

Wer vor dem Interview gut vorbereitet ist und währenddessen die passenden Strategien wählt, nutzt das Potenzial, das gerade schwierige Interviews bieten. Denn wo sonst können sie ihre Position und ihre Haltung überzeugender vertreten, als wenn sie Gegenargumenten standhalten müssen? Nichts ist langweiliger als ein abgesprochenes Interview, bei dem nur PR-Botschaften abgespult werden und Fragen allenfalls als Stichworte dienen. Das Publikum will Action, sonst schaltet es ab oder scrollt weiter. Und Medien brauchen möglichst Neues und ‚Knackiges‘ und eine aussagefähige Schlagzeile. 

Vorbereitung in drei Schritten

  • Um in jedem Interview souverän zu bleiben, müssen sie ihre Kernbotschaften klar haben. Nicht als Informationsflut, sondern als klar formulierte und laut ausgesprochene Sätze. Fachwissen zu haben, ist selbstverständlich. Es prägnant zu übermitteln, ist die Kunst. Das gilt auch für die Antworten auf erwartbare Fragen.  
  • Stellen sie sich auf das Setup ein. Beispielsweise werden sie gerade bei kritischen Themen oft von zwei Journalist:innen gleichzeitig interviewt. Selbst, wenn diese sich gegenseitig widersprechen oder als Good Cop/Bad Cop-Paarung auftreten, sollte sie das nicht aus dem Konzept bringen.  
  • Achten sie auf ihre non-verbalen Signale, besonders bei TV-Interviews. Souveränität ist nicht Arroganz, Humor ist nicht Zynismus und Wertschätzung nicht Anbiederung. Die Unterschiede liegen oft in Nuancen der Körpersprache, der Mimik oder der Tonalität. Das kann man trainieren.  

Nutzen Sie die Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit, die kritische Interviews mit sich bringen. Das Erfolgsrezept ist, sich schnell aus der Defensive zu befreien und eigene Botschaften zu setzen, Gegenwind auszuhalten und unter Druck souverän zu bleiben. Scheuen sie sich zum Beispiel nicht davor, wichtige Kernbotschaften – wenn möglich variiert – mehrfach in ihren Antworten unterzubringen. Dann sind auch anspruchsvolle Medienauftritte keine Bedrohung mehr, sondern eine echte Chance.